Vildmarksvägen Teil 1

Als ich auf einen Bären traf

Es war der dritte Tag meiner Rundreise durch Skandinavien als ich im schwedischen Jämtland bei Åsarna in meinem Camper erwachte.

Die Nacht hatte ich am Ufer des Ljungan Flusses verbracht und das rauschen der Stromschnellen und Gezwitscher der Vögel begrüßte mich als ich die Tür meines kleinen Campers öffnete.

Noch ahnungslos darüber welche Abenteuer ich an diesem Tag erleben würde, saß ich im Tritt meines rollenden Zuhauses und schlürfte genüsslich meinen ersten Cappuccino im Schein der Sonne. Mit geschlossenen Augen sog ich die frische Luft ein, genoss das Hier und Jetzt und stellte fest das doch die erste Tasse Kaffee des Tages immer die Beste ist.

Nach der benötigten Zeit, die ich immer brauche, um wach zu werden und Kraft zu tanken verschwand ich im Bad.

Im Anschluss folgten die eingespielten Handgriffe, um den Camper abfahrbereit zu machen und wenig später setzt sich mein kleiner Dicker mit mir hinterm Steuer in Bewegung.

Über eine schmale Schotterpiste ging es zurück bis zur E45, dem Inlandsvägen, und von dort weiter Richtung Norden auf Östersund zu.

Die ca. 70km vergingen wie im Flug und auch die weiteren 100km bis Strömsund waren an diesem Tag nur wie ein Augenaufschlag. Vorangetrieben durch die Euphorie des herrlichen Wetters, der wunderschönen Landschaft und der großartigen Ausblicke.

In Strömsund bog ich links ab auf den Vildmarksvägen (L342).

Da war sie nun also, die Wildnisstraße. Eines der großen Highlights welches ich mir für die diesjährige Reise vorgenommen hatte.

Die komplette Wildnisstraße beträgt 500km und führt von Strömsund im nördlichen Jämtland bis ins südliche Lappland und wieder zurück nach Strömsund.

Ich hingegen werde nur einen Teil der Strecke fahren um weiter nach Norden zu gelangen. Von Strömsund über Gädedde bis nach Vilhelmina. Dieser Streckenabschnitt beträgt 370 km.

Schon jetzt auf den ersten Metern weiß ich: Hier muss ich unbedingt noch einmal hin. Schon alleine aus dem Grund weil ich weiß das ich mir für all die wunderbaren Orte die entlang der Strecke liegen nicht genügend Zeit eingeplant habe.

Die Landschaft durch die ich fahre ist einfach großartig. Wild und weit.

Als ich über eine kleine Anhöhe fahre erstreckt sich vor mir die Straße lang geradeaus und in der Ferne sehe ich einen LKW oder dergleichen auf der Straße stehen.

Noch kann ich nichts genaueres erkennen und ich frage mich ob dort evtl. eine Baustelle ist? Nein das kann es eigentlich auch nicht sein, vielleicht ein Unfall?

Ich drossele die Geschwindigkeit und fahre langsam an das Geschehen heran.

Auf der gegenüberliegenden Fahrbahn steht ein Holztransporter und ein PKW. Auf deren Höhe befindet sich auf meiner Straßenseite eine kleine Parkbucht in der ebenfalls ein Auto steht.

Was machen die da? Und vor allem wo gucken die alle hin?

Ich folge den Blicken der Leute und…. EIN BÄR !!!!!

Im Straßengraben der gegenüberliegenden Fahrbahn sitzt ein Bär und spielt mit Blumen und einem Ast!!!

Noch im rollenden Zustand reiße ich an der Handbremse, schnalle mich ab und greife zu meiner Kamera die immer griffbereit auf dem Beifahrersitz liegt.

Ich öffne die Fahrertür meines Campers und stelle mich auf den Tritt um freie Sicht auf das Geschehen zu haben.

Dort, keine 5 Meter von mir entfernt steht ein Bär und ist völlig unbeeindruckt von den Dingen die um ihn herum geschehen. Völlig vertieft in seinem Spiel nimmt er uns Schaulustige nur am Rand war.

Ich schaffe es so eben 2-3 Fotos zu machen als von hinten zwei weiteres Autos herangebraust kommen und mit viel zu schnellem Tempo an uns vorbeifahren.

Das war anscheinend auch für den Bären zu viel Trubel und er nimmt seine Pfoten in die Hand und verschwindet in dem dichten Wald neben der Straße.

Für mich hat das ganze Geschehen keine ganze Minute gedauert und etwas ungläubig sitze ich nun da und kann mich fragen ob das gerade alles passiert ist.

Die beiden anderen PKWs fahren weiter und auch der Fahrer des Holztransportes fährt lächelnd an mir vorbei.

Wie jetzt?! Das wars? War da wirklich was?

Ich schaute mir zur Kontrolle noch einmal meine 2 Bilder auf der Kamera an.

Tatsächlich! Ich habe wirklich einen Bären gesehen! Und das nicht im Fernsehen oder Zoo, nein einen wild lebenden Bären der hier in der Gegend seine Heimat hat.

Unglaublich!!! Sowas geschieht doch immer anderen und nicht mir!!! Ich bin Dankbar solch ein großes Glück gehabt zu haben das lässt sich nicht in Worte fassen.

Vor dem inneren Auge kann ich noch immer den Bären sehen der trotz seiner Gefährlichkeit ähnlich süß war wie der in einem Werbespot für Kaffeesahne oder Weichspüler.

Nachdem ich mich wieder etwas gesammelt habe, fuhr auch ich weiter um mein nächstes Abenteuer in Angriff zu nehmen.

Welches das sein wird?

Das werdet ihr in „Vildmarksvägen 2“ erfahren.

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2 Kommentare bei „Vildmarksvägen Teil 1“

  1. Hallo Kerstin,
    Das war sicher ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Wirklich toll! Es sind doch die spontanen Ereignisse, die einen Urlaub zu etwas so Besonderen machen. Und zum Beweis hast du gleich zwei Fotos machen können, damit auch wir sehen, dass du uns keinen Bären aufgebunden hast
    Liebe Grüße, Marcia

    1. Sehr schönes Wortspiel, da merkt man das du auch schreibst.
      Lieben Dank.

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